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Als '''Ersatzteile''' bezeichnet man Bauteile, die defekte oder verschlissene Bauteile eines komplexeren Produktes ersetzen. Wesentliche Regelungen enthält die Gruppenfreistellungsverordnung von 2010.

Ersatzteilhandel

Ersatzteile können entweder selbst hergestellt oder von spezialisierten Lieferanten zugekauft werden, wie z. B. Elektroteile bei Fahrzeugen oder Maschinen.

'''Original-Ersatzteile''' werden durch den Hersteller des Produktes vertrieben, indem sie entweder aus der laufenden Produktion herausgenommen werden, von vornherein mit in die Anzahl mit einkalkuliert werden oder nachträglich wieder in (Klein-)Serie produziert werden. Es gibt jedoch auch Unternehmen, die Ersatzteile für Geräte anderer Hersteller fertigen. Man spricht vom so genannten sbetriebe ihren Mitgliedern vor, ausschließlich Original-Ersatzteile oder Identteile zu verwenden.

Gewährleistungsansprüche

Nicht selten drohen Hersteller mit Verlust oder Einschränkung der Gewährleistungsansprüchen, wenn anstelle von Originalteilen die Teile von anderen Firmen eingebaut werden. Es gibt jedoch im Einzelfall immer wieder Gerichtsurteile, die dem widersprechen. Fällt ein Bauteil während der gesetzlichen Gewährleistungszeit aus, so hat der Hersteller meist für ein kostenloses Ersatzteil in angemessener Zeit und meist auch für den kostenfreien Einbau (nicht aber den kostenlosen Transport) zu sorgen. Ob der Hersteller das Ersatzteil kostenlos nachliefern muss, wird über die "bestimmungsgemäße Verwendung" in der beiliegenden Dokumentation geregelt: Wurde das Gerät gegebenenfalls nicht richtig bedient oder verwendet, so hat der Anwender die Kosten für das Ersatzteil selber zu tragen. Nach der Gewährleistungszeit entfällt dieser Anspruch, und der Anwender muss das Ersatzteil auf eigene Kosten erwerben. Mit dem Einbau eines Originalersatzteiles geben viele Hersteller als besonderen Kaufanreiz noch eine neue, zusätzliche Gewährleistung auf das neue Bauteil ab dem Einbaudatum.

Erfolgsfaktor: Ersatzteillogistik

Für den erfolgreichen Auftritt am Markt bedarf es bei aufwendigen technischen Produkten (z. B. Fahrzeuge, Elektronische Geräte, Maschinen etc.) nicht nur eines gelungenen Designs und guter technischer Daten, sondern auch eine gute Ersatzteilversorgung (''Ersatzteil-Logistik'').

Der Käufer entscheidet sich im Rahmen seiner Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit gegebenenfalls für ein teureres Produkt, wenn er glauben oder sicher sein kann, dass bei Bedarf Ersatzteile schnell zur Verfügung stehen. Denn oft stehen hohen Ausfallkosten in keinem Verhältnis zum geringeren Kaufpreis (z. B. Bagger, Flugzeug, LKW)

Ersatzteile im Eigenbau

Im Maschinenbau wird nicht selten vertraglich geregelt, dass Zeichnungen oder ganze Zeichnungssätze zur Eigenherstellung von Ersatzteilen mitgekauft werden. Der Hersteller einer solchen Maschine stimmt dem zu und liefert nicht nur die Zeichnung, sondern auch wichtige Informationen zur korrekten Herstellung wie Material sowie Wärme- und Oberflächenbehandlung. Diese Ersatzteile dürfen dann aber nur für den Eigenbedarf hergestellt werden. Ein Verkauf an Dritte wird meist nur gegen eine entsprechende "Lizenzgebühr" erlaubt.

Nachbau nach Muster

Werden defekte Bauteile (z. B. der Zahn einer Baggerschaufel) ohne Zeichnung nur durch abnehmen der Maße von einem unabhängigen Dritten im Auftrag des Endanwenders hergestellt, spricht man vom ?Nachbau nach Muster?. Dies ist oft der Fall, wenn der Hersteller in der Zwischenzeit Insolvenz anmelden musste oder die Ersatzteilversorgung beendet hat. Auch ein objektiv hoher oder vom Kunden als überhöht empfundener Preis kann ein Grund für den Nachbau sein.

Gefälschte Nachbauten

Soweit es sich bei Ersatzteilen um '''nicht autorisierte Nachbauten''' handelt, spricht man von Plagiaten oder Piratenteilen. Als '''Bogus parts''' (engl. bogus = gefälscht, spare parts = Ersatzteile) bezeichnet man insbesondere in der Luftfahrtindustrie Ersatzteil-Nachbauten, die ? mit gefälschten Zertifikaten versehen ? äußerlich nur schwer von Originalteilen zu unterscheiden sind. Aufgrund des hohen Preisniveaus ist das Fälschen von Flugzeugersatzteilen besonders attraktiv. Unerkannte, aus minderwertigem Material hergestellte Plagiate stellen eine Gefahr für die Sicherheit der Luftfahrt dar. Strafbar wird der Nachbau besonders dann, wenn durch Verwendung von gefälschten Prüfzeichen der betroffene Käufer gezielt betrogen werden soll und ihm damit ein Schaden entsteht oder entstehen kann.

Garantie, Zusatzgarantie

Bei Markenartikeln geben Hersteller oft eine Ersatzteilgarantie ab. So gewährleistet z. B. ein Autoproduzent für eine Zeit von zehn Jahren, für ein Fahrzeug Ersatzteile liefern zu können. Die Ersatzteilversorgung wird dabei zu einer logistischen Herausforderung. Die Garantien wirken sich oft im höheren Preis des Produktes aus, aber unterscheiden so Markenprodukte von ''Nonameprodukten''.

Tauschteil

Bei aufwändigen Ersatzteilen wird oft ein Tauschteil angeboten, um die Kosten der Reparatur zu minimieren. Die zurückgenommenen defekten Tauschteile können wieder rationell in größeren Stückzahlen repariert werden (z. B. Lichtmaschinen oder runderneuerte Reifen bei Fahrzeugen).

Ersatzteilkataloge

Viele Hersteller führen ihre Ersatzteile in einem elektronischen Ersatzteilekatalog. Die häufigste Art der Darstellung ist die Explosionszeichnung: Die Baugruppen werden "wie explodiert" dargestellt, so dass die einzelnen Teile gut erkennbar sind und eine Positionsnummer erhalten können. Diese verweist in einer Stückliste auf die Artikelnummer des gesuchten Ersatzteiles. Mit dieser Nummer kann die Werkstatt oder der Endkunde indirekt beim Fachhandel oder beim Hersteller die Ersatzteile kaufen.

Die Kataloge wurden früher auf Papier gedruckt, dann als Microfilm (sogenannte "''Microfiche''") und heute digital angeboten.

Verschleiß- und Kaufteillisten

von komplexen Maschinen verlangen oft vom Hersteller Listen von "Verschleißteilen" mit der zu erwartenden voraussichtlichen Lebensdauer, damit diese Teile rechtzeitig gekauft und im eigenen Lager zur gegebenen Zeit vorgehalten werden können. Zunehmend wird auch die Lagerung und zeitnahe Vorhaltung vom Hersteller immer mehr vertraglich gefordert. Die "Kaufteileliste" umfasst alle Teile, die unabhängig vom Hersteller frei auf dem Markt gekauft werden können (z. B. Kugellager, Schalter, Pneumatikzylinder). Mit Hilfe dieser Teilelisten ist der Betrieb von hochkomplexen Anlagen, unter anderem durch vorbeugende Wartung ohne lange Ausfallzeiten möglich.

Designschutz

Gestaltgebende Bauteile wie z. B. ein " erwerben, was diese Ersatzteile natürlich wiederum verteuert. Die EU-Kommission will diesen Sachverhalt im Interesse des Verbrauchers ändern, was aber auf heftigen Widerstand bei den Autoherstellern stößt<ref name="SPON-315209"></ref>.

Preisgestaltung

Die Gestaltung des optimalen Ersatzteilpreises ist eine kalkulatorische Kunst.

Oft wollen Hersteller die Gewinnmarge ihrer Produkte über die Ersatzteilpreise erhöhen. Sind die Teile zu teuer und können diese nicht durch Patente oder Designschutz ausreichend geschützt werden, so entsteht schnell ein lukrativer Markt für Dritte.

Kritik

Als Kritik wird vorgebracht, dass bei vielen Produkten, auch Pkw und en, Ersatzteile nur zu hohen Preisen angeboten werden. Die Reparatur eines defekten Geräts kann dadurch auch in Verbindung mit hohen Lohnkosten unwirtschaftlich erscheinen. Dadurch kann der Kunde, ggf. auch im Sinne der geplanten Obsoleszenz, zum Neukauf motiviert werden.

Weblinks

  • Regelungen der Gruppenfreistellungsverordnung (EG) Nr. 461/2010

Einzelnachweise